Der Schlossplatz damals und heute
Im 19. Jahrhundert standen dort Pferde, im 20. Jahrhundert schwammen Oldenburger:innen ihre Bahnen und im 21. Jahrhundert ist es ein Ort zum Einkaufen und Flanieren: das Gelände der heutigen Schlosshöfe hat eine lange Geschichte hinter sich. Was sich dort vor der Eröffnung des Einkaufszentrums im Jahr 2011 befunden hat, zeigt diese kleine Zeitreise.
Die Geschichte des Schlossplatzes beginnt schon viel früher, doch war es eine groß angelegte Umgestaltung in den 1830er Jahren, die dem Ort seine prägenden Bauwerke verlieh. Noch heute stehen zwei Gebäude, die unter August I. entstanden sind: das Verwaltungsgericht und die Schlosswache, die die Landessparkasse zu Oldenburg beherbergt. Sie befanden sich auf der sogenannten Schlossfreiheit, so bezeichnete man das Gelände zwischen Schloss und Mühlenstraße. Es war nicht öffentlich zugänglich und unterstand der Herrschaft des Herzogs.
Zuständig für die Neubauten war der Architekt Heinrich Strack der Ältere. Um Oldenburgs Status als moderne großherzogliche Residenzstadt sichtbar zu machen, entwarf er die Gebäude im klassizistischem Stil. Die Inspiration durch antike Vorbilder aus Italien zeigt sich zum Beispiel in den Säulen der Schlosswache und des Peter-Friedrich-Ludwigs-Hospitals, das er ebenfalls entwarf.
Den Durchgang zwischen Schlossfreiheit und bürgerlicher Stadt markierte die Schlosswache. Links davon stand das Regierungsgebäude auf der Stelle des ehemaligen Ballhauses, das Anton Günther für Federballspiele bauen ließ. Rechts davon befand sich das Kavalierhaus, das als Wohnung und Gästehaus der Regenten diente.

Schlossfreiheit: (von links) Schloss, Regierungsgebäude, Schlosswache mit Säulen, Kavaliershaus, Marstall, um 1870 © Stadtmuseum Oldenburg
Die letzten Gebäude der Reihe gehörten zu den großherzoglichen Ställen, die vor dem Umbau in den 1830er Jahren ein Kornmagazin beherbergten. Woher der Name „Marstall“ kommt und weitere Details zu den Ställen sind hier zu lesen. Hinter dem Stall, parallel zum Schloss, befand sich das Reithaus, bzw. Reitbahn. Das rechtwinklige Gebäude war über 40 Meter lang und wurde sogar für Konzerte genutzt, da die Akustik laut Zeitgenossen besser war als im Theater.

Schlossplatz um 1850, Stahlstich von A. H. Payne: (von links) Schlosswache, Kavalierhaus, Marstall © Stadtmuseum Oldenburg, aus: Hermann Lübbing, Oldenburg. Ein Stadtbild im Wandel der Zeiten
Großherzog August I. galt als pferdebegeistert und hatte mehrere Lieblingspferde. Er nutzte nicht nur gerne die Reitbahn sondern übte sich auch in Hochgeschwindigkeitsritten. Für die Strecke vom Stall bis zum Schloss Rastede überlieferte sein Stallmeister Friedrich Rumpf eine Bestzeit von 32 Minuten.

Hofreitpferd „Perle“, ein Lieblingspferd des Herzogs, mit seinem Sohn, 1859 © Buch über Pferde
Mit Abdankung des letzten Großherzogs im Jahr 1918 gab es keine Verwendung mehr für Stall und Reitbahn. Man stellte sich die Frage, was mit den Gebäuden passieren sollte. Aus Mangel an finanziellen Mitteln war es nicht möglich, die Idee von einem Versammlungs- und Konzertsaal umzusetzen, weshalb die Reichspost die Reitbahn übernahm. So wurde sie zu einem Lagerraum für den noch jungen Telegrafenbetrieb.
Lange blieb es allerdings nicht dabei. Ein Brand während des Kramermarkts im Jahr 1924, verursacht durch eine Lampe im Telegrafenlager, hinterließ die prächtigen Gebäude in Ruinen. Die Stadt hatte jedoch Glück: das Feuer konnte sich nicht sehr weit ausbreiten und auch das Landesmuseum mit seinen Exponaten im Schloss gegenüber blieb unbeschädigt. Übrigens führte auch dieses Ereignis noch nicht zu der Einführung einer Berufsfeuerwehr in Oldenburg, wie die Presse forderte. Die freiwillige Feuerwehr blieb weiterhin alleine zuständig und wurde erst etwa 10 Jahre später umstrukturiert.
Erneut musste eine Verwendung für die nun ausgebrannten Gebäude gefunden werden, denn der Wiederaufbau war schon beschlossene Sache. Auch diesmal wurde über die Einrichtung eines Versammlungssaals nachgedacht, sowie über moderne Bürogebäude. Schließlich kam es beinahe zu einem Rathausneubau, den der Oberbürgermeister in den 1930er Jahren durchzusetzen versuchte, allerdings scheiterte dieses Projekt an der finanziellen Situation zu Kriegsbeginn. Letztendlich wurde auf dem Platz des Stalles das Wohnungsamt errichtet, die Ruine der Reitbahn blieb jedoch noch etwa 30 Jahre lang bestehen.

Ruine des Marstalls, Datum unbekannt © Stadtmuseum Oldenburg
Als im Jahr 1957 feststand, dass Oldenburg drei Jahre später Schauplatz des Landesturnfestes werden sollte, wurde ein Hallenbad für die Wettbewerbe benötigt. Trotz Sorge in der Bevölkerung um die Gestaltung des Schlossplatzes entschied man sich für die Lage gegenüber dem Schloss und riss das Wohnungsamt samt Reitbahn ab. Somit verschwanden die letzten Erinnerungen an die großherzoglichen Pferdeställe. Pünktlich zum Beginn des Landesturnfestes im Jahr 1960 stand das Hallenbad mit Zuschauergalerien, Gymnastiksaal und Wannenbädern, da Badewannen nicht in jedem Haushalt vorhanden waren. Ab 1977 zierte der über 13 Meter hohe kopfüber tauchende „Turmspringer“ des Künstlers Werner Berges die Fassade des Schwimmbads.
In dieser Zeit war der Schlossplatz unter einem anderen Namen bekannt: zu Beginn der 1960er Jahre wurde er in „Berliner Platz“ umbenannt, um die Verbundenheit zur Hauptstand zu zeigen. Anlässlich der Einweihung des Hallenbads wurden die berühmten Bärenstatuen auf dem Schlossplatz gestiftet.
Wegen starkem Sanierungsbedarf schloss das Bad im Jahr 2001 seine Türen und von da an badeten die Oldenburger:innen im neu gebauten Olantis Huntebad. Drei Jahre später kaufte das ECE-Projektmanagement das Grundstück, um ein Einkaufszentrum darauf zu errichten. Vor Baubeginn stellte das Landesamt für Denkmalpflege sicher, dass archäologische Spuren bewahrt werden konnten. Da das Fundament des Hallenbades wissenschaftliche Funde nicht mehr möglich machte, untersuchte man den Parkplatz hinter dem Hallenbad. Diese Rettungsgrabung und die begleitenden Grabungen an der Baustelle förderten Interessantes zutage. So zum Beispiel größere Strukturen wie Gruben und Wasserleitungen aber auch Keramik, Haushaltsgegenstände und Spielzeug vom 13. bis zum 19. Jahrhundert. Einige dieser Funde sind in Bodenvitrinen rund um den Schlossplatz zu sehen.
Beim nächsten Spaziergang über den Schlossplatz lohnt es sich also genauer hinzusehen!
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Xenia Fink
Wissenschaftliches Volontariat
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