Auf Herz und Nieren…
Der erste Teil zur Geschichte der Krankenversorgung in Oldenburg behandelte den Wandel von den Armen- oder auch Gasthäusern zur Behandlung von kranken Menschen über das erste Krankenhaus bis hin zum Peter Friedrich Ludwigs-Hospital und dem neuen Standort der städtischen Kliniken in Kreyenbrück (hier geht es zum ersten Teil). Diese blieben jedoch nicht die einzigen Hospitäler in Oldenburg.

Ansichtskarte des städtischen Krankenhauses in Kreyenbrück, © Stadtmuseum Oldenburg
Im Jahr 1869 jährte sich die Priesterweihe von Papst Pius IX. zum 50. Mal. Das Jubiläum gab dem hiesigen Pfarrer der katholischen Gemeinde, Theodor Niehaus, den Anlass, Spenden zur Gründung eines katholischen Krankenhauses einzusammeln. Damit war er derart erfolgreich, dass innerhalb kürzester Zeit bis 1871 auf dem Grundbesitz der katholischen Kirche an der Georgstraße ein Krankenhausbau errichtet werden konnte. Das Pius-Hospital galt anfangs als Belegkrankenhaus, in welchem keine festangestellten Mediziner (zu der Zeit waren hauptsächlich Männer in diesem Beruf tätig), sondern die Hausärzte ihre eigenen Patient:innen versorgten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erhielt das Hospital eine unerwartete Erbschaft: Ein protestantischer Gutsbesitzer vermachte sein gesamtes Eigentum dem katholischen Krankenhaus, nachdem er sich durch die Grabrede eines protestantischen Pastors zur Beerdigung seiner Schwester beleidigt gefühlt hatte. Dieses Erbe ermöglichte weitere Ausbauten und die Einrichtung von Spezialabteilungen. Während der NS-Zeit verweigerte das Pius-Hospital die Durchführung von Zwangssterilisationen. Auch dieses Krankenhaus hatte immer wieder mit Platzproblemen für die vielen Kranken zu kämpfen, sodass über die Jahrzehnte hinweg zahlreiche Aus- und Umbaumaßnahmen erfolgten, die bis heute andauern. Das Pius-Hospital ist heute das größte katholische Krankenhaus im gesamten Nordwesten Deutschlands und ist zudem als Kooperationskrankenhaus Teil der Universitätsmedizin Oldenburgs.

Ansicht des Pius-Hospitals in der Georgstraße um 1804, © Stadtmuseum Oldenburg
Die evangelische Kirchengemeinde in Oldenburg wünschte sich die freie Arztwahl bei der Behandlung in einem Krankenhaus. Um sich wie die katholische Gemeinde ein „eigenes“ Krankenhaus zu erbauen, startete die Gemeinde 1887 mit dem Pastor Johann B. A. Pralle ebenfalls einen Spendenaufruf. Mit dem Erlös wurden drei Grundstücke in der Marienstraße erworben und bis zum Frühjahr 1893 war das Evangelische Krankenhaus fertig gestellt. Trotz des Namens betonten die Gemeindemitglieder und der für die Erbauung ins Leben gerufene Gründungsverein, dass es sich um ein Hospital für alle Bürger:innen unabhängig von der Konfession handelte, in dem die freie Arztwahl erlaubt war. Die finanzielle Lage des Klinikums war zeitweise sehr kritisch, dennoch konnte es sich an der Marienstraße halten und sich vergrößern, wodurch es Mitte der 1930er Jahre zum größten der drei Oldenburger Krankenhäuser angewachsen war. Unter der Leitung eines SS-Angehörigen war das Evangelische Krankenhaus an den Sterilisationsverbrechen des nationalsozialistischen Regimes beteiligt. Nach dem Zweiten Weltkrieg differenzierten sich auch hier die verschiedenen medizinischen Fachabteilungen heraus. Besonders bekannt wurde das Hospital 1985 durch die Geburt des ersten Oldenburger Babys, welches durch künstliche Befruchtung gezeugt worden war. Als heute zweitgrößtes Krankenhaus in Oldenburg gehört das Evangelische Krankenhaus ebenfalls der Universitätsmedizin der Carl von Ossietzky Universität an.
Die Gründung des Elisabeth-Kinderkrankenhauses geschah ebenfalls auf Initiative des Herzoghauses im Jahr 1872. Anlässlich der Hochzeit des Erbgroßherzogs Nikolaus Friedrich Peter mit Prinzessin Elisabeth von Altenburg stiftete dessen Vater einen großen Geldbetrag dem Frauenverein in Oldenburg für mildtätige Zwecke. Da erkrankte Kinder im PFL wegen Platzmangels kaum noch aufgenommen wurden, konnte mit Hilfe dieser Stiftung ein eigenes Krankenhaus in der unmittelbaren Umgebung des städtischen Hospitals gebaut werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg reichte auch hier der Platz für die aufzunehmenden kranken Kinder nicht mehr aus. Die Kinderklinik zog 1953 in das leerstehende Offiziersheim an der Cloppenburger Straße 363. Durch die Ausdifferenzierung der verschiedenen Abteilungen und dadurch wieder aufkommende Platznot wurde 2003 ein Neubau an die städtischen Kliniken angegliedert.

Innenansicht eines Zimmers des Kinderkrankenhauses, © Stadtmuseum Oldenburg.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand an der Kanalstraße eine eigene Frauenklinik, auch Landesfrauenklinik genannt. Diese ging aus der schon seit etwa 1790 bestehenden Hebammenlehranstalt hervor. Vor allem mittellose oder ledige Schwangere sollten dort bevorzugt versorgt werden. Mit Anschluss eines Entbindungshauses konnten nun dauerhaft Patientinnen aufgenommen und behandelt werden, vorher war dies noch nicht möglich gewesen. Neben der Geburtsmedizin spezialisierte sich auch zunehmend das Fachgebiet der Frauenheilkunde heraus, vor allem im Hinblick auf gynäkologische Operationen. Kurz nach der Umnutzung des ehemaligen Standort-Lazaretts in Kreyenbrück zog 1959 auch die Landesfrauenklinik an den neuen Standort.

EXKURS: Versorgung unheilbar physisch und psychisch kranker Menschen
Menschen mit geistigen Erkrankungen hatten in den allgemeinen Hospitälern meist keinen Platz, für sie wurden spezielle Anstalten errichtet. Für Oldenburg und die umliegenden Gebiete wurde eine solche Einrichtung 1786 im ehemaligen Kloster Blankenburg geschaffen, was vorher ein Armen- und Waisenhaus beherbergt hatte. Die neue Anstalt nach Art einer „Irrenanstalt“ sollte demnach jene Armen und Kranken aufnehmen, die durch unheilbare Krankheiten von der Gesellschaft ausgestoßen waren und spezieller Pflege bedurften. Doch die Zustände der Unterbringung und Versorgung waren derart mangelhaft, dass bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts viel Kritik laut wurde. Für die geforderte bessere Unterbringung und Verpflegung der Kranken wurde 1858 ein neues „Institut“ auf dem Wehner Esch gebaut: Die Großherzoglich Oldenburgische Heilanstalt zu Wehnen, oft auch „Irrenanstalt zu Wehnen“ genannt (die Umbenennung in „Heil- und Pflegeanstalt“ erfolgte erst mit dem Eintritt ins 20. Jahrhundert). Die Einrichtung für unheilbar Kranke musste schon kurz nach der Inbetriebnahme in mehreren Schritten erweitert werden, um der vielen Patient:innen gerecht zu werden. Ab 1921 beherbergte sie sogar eine staatlich geprüfte Pflegeschule. Parallel zu Wehnen blieb Blankenburg dennoch bis in die 1930er Jahre als „Pflege- und Bewahranstalt“ bestehen. Konnten die ab 1933 von den Nationalsozialisten verhängten Zwangssterilisationen (siehe Exkurs in der Geschichte der Krankenversorgung Teil 1) an beiden Standorten noch teilweise verhindert werden, mussten die „Aktion T4“ und der sogenannte „Hungererlass“ vollzogen werden. Viele der in Blankenburg und Wehnen untergebrachten Menschen wurden in der Folge durch verschiedenste Verbrechen getötet.
Der Bereich mit der psychiatrischen Einrichtung in Blankenburg wurde in den 1980er Jahren aufgelöst, in Wehnen befindet sich bis heute die 2007 nach dem Oldenburger Psychiater benannte Carl-Jaspers-Klinik. 2004 wurde auf dem Klinikgelände die Gedenkstätte Wehnen für die Opfer der oldenburgischen Krankenmorde eingerichtet.
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Katharina Kolczok
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