Die Geschichte der Oldenburger Rathäuser
Das sogenannte Alte Rathaus auf dem Marktplatz gibt es seit 1888. Um den wachsenden Bedürfnissen einer zeitgemäßen Verwaltung nachkommen zu können, wurde vom Stadtrat seit den 1870er Jahren über einen Neubau diskutiert. Schließlich beschloss der Rat, den Vorgängerbau von 1635 abreißen und an gleicher Stelle einen Neubau errichten zu lassen. Da die vorhandene Fläche schon damals einigen als zu klein erschien, wurden auch andere Standorte wie das Dobbengelände diskutiert. Die Wahl fiel aber schließlich wieder auf die zentrale Lage im Stadtzentrum.
Bei der Ausschreibung 1883 gingen 76 Bewerbungsunterlagen für den Neubau ein. Die Berliner Architekten Matthias von Holst und Carl Zaar bekamen den Zuschlag und so wurde ihr Entwurf für ein Gebäude in historisierendem Stil realisiert. Der Bauplatz bot sich für eine eher ungewöhnliche dreieckige Form an; es gab aber auch Entwürfe, die sich an der rechteckigen Form des Vorgängerbaus orientierten. Einige der eingereichten Entwürfe haben sich erhalten und befinden sich heute im Archiv des Stadtmuseums.
Schon das erste mittelalterliche Rathaus stand vermutlich an der Nord-West-Ecke des Markplatzes. Im frühesten überlieferten Stadtplan von 1598 ist das Rathaus (wahrscheinlich der Nachfolgebau des ersten) an dieser Stelle eingezeichnet. Im 17. Jahrhundert wurde das Gebäude in Teilen abgerissen und neu gebaut. Noch wurden darin aber die Entscheidungen nicht von einem gewählten, eigenständigen Stadtrat getroffen, sondern der Magistrat der Stadt handelte im Auftrag des Grafen. Die Stadt wurde grundsätzlich noch vom Schloss aus kontrolliert.
Das Alte Rathaus hat heute hauptsächlich repräsentative Zwecke. Dort sind die Büros des Oberbürgermeisters und seines Teams und im Großen Sitzungssaal finden Empfänge und Verleihungen statt. Das Glockenspiel, das sich an der Nordseite befindet, ist übrigens nicht Teil des ursprünglichen Entwurfs. Es wurde zum 650. Stadtrechtsjubiläum 1995 installiert und spielt mehrmals täglich die Oldenburg-Hymne und jahreszeitliche Melodien.
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg kamen fast 40.000 Flüchtlinge und Vertriebene nach Oldenburg. Innerhalb weniger Jahre wurde Oldenburg zu einer Großstadt mit über 100.000 Bewohnerinnen und Bewohnern. Das brachte auch für die Stadtverwaltung Wachstum mit sich und einen erneuten Mangel an Räumlichkeiten. In der Folge wurde ein Beschluss für einen Rathaus-Neubau gefasst, der aber bis heute nicht umgesetzt worden ist. Es gab immer wieder Vorschläge für neue Standorte oder auch Erweiterungen bestehender Gebäude. Ein Beispiel war ein Entwurf von 1960 vom damaligen Stadtbaurat Horst Neidhardt, der das Peter-Friedrich-Ludwig-Hospital (PFL) durch einen großzügigen Anbau zum neuen Rathaus machen wollte. Der Entwurf zeigt mehrere vier- bis fünfstöckige hinter und neben dem PFL liegende Querriegel und einen hoch aufragenden Uhrturm. Dieser Vorschlag fand in den entscheidenden Gremien keine Mehrheit.

Entwurf für den Umbau des Peter-Friedrich-Ludwig-Hospitals zum Rathaus von Stadtbaurat Horst Neidhardt, 1960, Bleistiftzeichnung
Die Problematik zu weniger Räumlichkeiten für die Stadtverwaltung blieb und so wurde Mitte der 1970er Jahre das Pferdemarkt-Areal für ein neues Rathaus bestimmt. Unter der Voraussetzung die historische Bebauung zu erhalten, wurde die ehemalige Infanteriekaserne von 1835 umgebaut und erweitert. Seit 1984 befinden sich in dem Komplex, der als Neues Rathaus bezeichnet wird, zahlreiche Ämter und Dezernate, darunter auch das Bürgerbüro. Die Anmeldung eines Fahrzeugs oder der Antrag für einen neuen Personalausweis – die meisten Menschen, die in Oldenburg leben, sind schon einmal in dem Gebäude gewesen. Die Kaserne entstand ursprünglich im Zuge der Platzanlage als Exerzierplatz für Soldaten. Um Oldenburg als Militärstandort zu entwickeln, wurden mit der Infanteriekaserne und ihrem Zwillingsbau die ersten größeren Gebäude zur Unterbringung von Soldaten gebaut. Das identisch angelegte Gebäude auf dem östlichen Platzteil wurde bei einem Brand 1895 zerstört. Im sich architektonisch deutlich unterscheidenden Nachfolgebau befindet sich heute die Landesbibliothek.

Ehemalige Infanteriekaserne auf dem Pferdemarkt vor dem Umbau zum Neuen Rathaus, 1977, © Stadtmuseum Oldenburg/Sammlung Willy Schröder
Da Altes Rathaus und Neues Rathaus immer noch nicht ausreichten, um alle Ämter der wachsenden Stadtverwaltung unterzubringen, wurde mit dem sogenannten Technischen Rathaus noch ein dritter Standort etabliert. Seit Ende der 1980er Jahre befinden sich an der Industriestraße in Gebäuden der ehemaligen Fleischwarenfabrik (Fleiwa) unter anderem das Amt für Controlling und Finanzen, das Dezernat für Bauen, Wohnen und Verkehr sowie das Gesundheitsamt.
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