Der Kramermarkt als Kindheitserinnerung
Samstag, Innenstadt, Turm Sahne fliegt durch die Luft und die kleine Hilde steht mit ihren Geschwistern am Straßenrand. Die 5. Jahreszeit hat in Oldenburg begonnen – der Kramermarkt. Neben dem Umzug, der für sie immer dazugehörte, ist Frau Lewin vor allem an den Hauptgewinnen an den Los-Buden interessiert. Schon als kleines Kind, aber auch bis ins hohe Alter hatte sie ein klares Ziel vor Augen.
An das nötige Taschengeld kam sie, indem sie ihren Eltern bei der Kartoffelernte half. Mit 3,50 DM und nicht selten noch in den dreckigen Klamotten von der Ernte, ging es zum Kramermarkt – auch oft zu Fuß, um nicht den Bus bezahlen zu müssen. Denn jeder Pfennig zählte, um eine Chance auf den Hauptgewinn zu haben. Mit ihrer Begeisterung für den Kramermarkt kam sie ganz nach ihrem Vater. Auch er hatte bei seinen Besuchen ein konkretes Ziel und brachte regelmäßig kleine Puddingschalen von den Wurfbuden mit – irgendwann zum Leidwesen seiner Frau.

Später besuchte Frau Lewin den Kramermarkt mit Freunden, mal mit ihrem Mann, oder auch ganz alleine. Die Anziehung des Kramermarkts war zu groß, um darauf zu verzichten. Und auch, wenn sie zwischenzeitlich nicht in Oldenburg gewohnt hat, so hat sie doch immer versucht das Oldenburger Volksfest zu besuchen und natürlich Lose zu kaufen. Als sie später im Erwachsenenalter mehr Geld zur Verfügung hatte, gab es auch mal zwei Hauptgewinne im Jahr. Die Trostpreise wie Radiergummis oder Stifte gingen an ihre Kinder und Enkelkinder. Zuletzt gönnte sie sich bei ihren Besuchen auch einen Liebesapfel und der Backfisch, den es zwar auch zuhause gab, schmeckte auf dem Kramermarkt doch nochmal besser.
„Ich habe mehr investiert, als ich bekommen habe.“
Hilde Lewin
Zusammen mit den gewonnenen Kuscheltieren nahm sie immer auch gebrannte Mandeln mit nach Hause. Im Bus ging es dann zum Beispiel mit einem riesigen Krokodil auf dem Arm zurück. Die Blicke der anderen Fahrgäste waren ihr so garantiert. Gut gepflegt wurden die Tiere zuhause allemal und sehen deshalb heute noch aus, wie am ersten Tag. Ein Hund trägt noch stolz einen Sticker vom 400. Oldenburger Kramermarkt und dabei zählt er mit seinen 20 Jahren noch zu den jüngeren Exemplaren.
Sie habe mehr investiert, als sie bekommen hätte, sagt Frau Lewin im Gespräch. Doch der Freude in ihrem Gesicht nach zu urteilen, wenn sie von ihren Markt-Gewinnen erzählt, war es doch jeden Pfennig (oder Cent) wert.


