Nachrichten aus aller Welt empfangen
Diese negative Perspektive führte bei meinem Vater dazu, dass er darüber nachdachte, wie sein künftiges Leben aussehen könne. Er hatte die berechtigte Sorge, dass er seinen Lebensplan nicht realisieren konnte. Aber er wollte am “Geschehen der Welt“ zumindest insofern teilnehmen, dass er Nachrichten aus aller Welt empfangen konnte. Daher kaufte er im Jahre 1952 den abgebildeten Musikschrank, da er u.a. mit einem sehr empfindlichen (Kurzwellen-) Empfangsteil ausgestattet war, so dass Sender aus der ganzen Welt empfangen werden konnte. So wollte er seine Zeit verbringen, sofern seine krankheitsbedingten Lähmungen sich verstärken sollten. Der Musikschrank kostete damals ca. 600 DM – ein in der damaligen Zeit sehr hoher Betrag.
„Kurz vor seinem Tode sagte er, dass sein Leben ein Lottogewinn gewesen sei.“
Thomas Klein
Zum Glück kam es anders – es gab in seiner gesamten Lebensspanne nur leichte Verschlechterungen, so dass er bis zu seinem Tode im Jahre 2013 noch (ein wenig eingeschränkt) bewegungsfähig blieb und er ein normales Leben führen konnte. Sein Wunsch, eine Familie zu gründen, ging in Erfüllung und er führte ein zufriedenes Leben – noch kurz vor seinem Tode sagte er vor dem Hintergrund der schlechten Gesundheitsprognose, dass “sein Leben ein Lottogewinn gewesen sei“. Was will man mehr?
Meine Schwester und ich wurden während unserer Schulzeit dann über viele Jahre täglich mit lauter Musik aus der Musiktruhe geweckt. Das Gerät hatte ich dann später übernommen, repariert und unsere Kinder – dieser „Tradition” entsprechend – auch jeden Morgen mit dem alten Röhrenempfänger geweckt.
Eine schöne Tradition über zwei Generationen.
Das Gerät spielt im Übrigen immer noch und manchmal hören meine Familie und ich darauf sehr alte Schellack-Schallplatten.


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