Herzensangelegenheit
Was nimmt man mit, wenn man sein ganzes Leben zurücklässt? Jameel Juratly, seine Frau und drei Kinder mussten sich dieser Frage stellen, als sie vor 12 Jahren aus Syrien flohen. Plötzlich sollte das Leben jedes Familienmitglieds in einen 20 kg schweren Koffer passen. Die Entscheidung, was zurückbleiben musste, fiel schwer. 2013 sah Jameel seine Wohnung in Homs zum letzten Mal, bevor sie zerbombt wurde.
Was geblieben ist, ist der Schlüssel zur Haustür. Ein Schlüsselring mit einem metallenen Herz-Anhänger mag für einige wie ein unauffälliges Stück Metall aussehen, doch für Jameel ist es eine Erinnerung an sein Leben in Syrien. Der Anhänger daran ist rein zufällig in Herzform: ein Motiv, das jetzt noch bedeutsamer wirkt. Gemeinsam mit ein paar anderen Erinnerungsstücken hat der Schlüssel einen Platz im Schatzkästchen der Familie.

„Für die anderen ist es ein Stück Metall, aber für mich ist es ein Stück Erinnerung.“
Jameel Juratly
Als Jameel 2015 in Oldenburg ankam, war besonders der Weg zur deutschen Sprache ein steiler, selbst im Oldenburger Flachland, wie er erzählt. Erschwert wurde das Lernen durch die Eigenheiten der Sprache: wo Pappenheim liegt, ob ein Nachschlag gefährlich ist und was in Butter ist, war am Anfang schwer zu verstehen. Die Geschichten hinter den Ausdrücken und Redewendungen hat Jameel schnell ins Herz geschlossen.
Seine Leidenschaft für Sprache lebt er auch beim Schreiben aus. Seine Geschichten, Erfahrungen und Begegnungen sind aus dem Leben gegriffen und sprechen von zwei Heimaten in Deutschland und Syrien. Die Bilder und Erinnerungen aus Syrien, sagt Jameel, hat er im Herzen mitgebracht. Und mit dem alten Hausschlüssel hat er zwar nicht die Tür zur neuen Wohnung in Deutschland aufschließen können, aber die „unsichtbaren“ Türen in der neuen Heimat hat er symbolisch geöffnet.

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