Wie Gegenstände erinnern
Ein Holzschrank gefüllt mit Gläsern, Schüsseln, Tassen und … einem Helm? Etwas fehl am Platz wirkt der Helm des 91er Regiments mit dem schwarzen Schweifhaar im ersten Moment und doch hat er aus gutem Grund seinen Platz hier gefunden.
Swantje Forsthöfel-Kleihauer erinnert sich noch gut daran, wie dieses Objekt seinen Weg ihn ihren Besitz gefunden hat, bzw. in den ihres Mannes. 1994, ihr Sohn war gerade geboren, ein Umzug stand an und Jann Kleihauer kaufte einen alten Helm. Schon lange wollte er diesen für seine Militaria-Sammlung haben und als er endlich auf dem Markt auftauchte, wurde natürlich zugeschlagen. Welche Summe dafür vonnöten war, das erfuhr Swantje wie so oft erst später. Dabei war der Helm kein Schnäppchen! Verständlich also, dass ihr Mann ihn pflegte, wie kaum ein anderes Objekt seiner wachsenden Sammlung.
Von Uniformen bis Abzeichen war hier alles dabei. Am liebsten aus preußischer Zeit und dem Ersten Weltkrieg. Sein Ziel: Uniformen zu komplettieren. Fehlten Kordeln, Orden oder Ehrenzeichen wurden sie gesucht, gefunden und gelegentlich von der Schwiegermutter angenäht. Von großem Interesse war für Jann aber auch, herauszufinden, wer diese Uniformen trug. Wem gehörten sie, was war ihre Geschichte? Nicht immer konnte er diese Frage beantworten.
„Wenn man sich anguckt, wie die sich ausstaffiert haben – das ist ja unglaublich.“
Swantje Forsthöfel-Kleihauer
Swantjes Hobby war das nicht, doch ihr Mann Jann freute sich über jedes Paket mit neuen Gegenständen für seine Sammlung. Die beiden Kinder waren mit dabei. Swantje selbst erfuhr oft erst später von den Neuerwerbungen – meist über ihre Kinder, die ihren Vater unwissentlich verrieten. Nach dem Tod ihres Mannes verkaufte Swantje die gesamte Sammlung an einen Auktionator und behielt nur diesen Helm für sich. Sie wusste, dass er ihrem Mann viel bedeutete und dazu hatte er noch einen Bezug zu Oldenburg, ihrer Heimat.
„Der wurde immer gezeigt, wenn jemand zu Besuch kam, der sich vielleicht dafür interessieren würde.“
Nun steht er im Schrank neben dem Esstisch und ist Aufhänger für viele Anekdoten, die an ihren Mann und seine große Sammlung von Uniformen erinnern. Was für andere vielleicht ein ungewohntes Hobby ist, ist für Swantje und ihre Kinder etwas ganz Normales geworden und mit vielen unterhaltsamen Erinnerungen verbunden. Und so verbinden sie mit diesem Helm nun vielleicht auch etwas Anderes, als Jann es getan hätte und geben dem Objekt eine neue Bedeutung. Denn wer den Helm einmal getragen hat, ist für sie gar nicht so wichtig. Für sie steht die Erinnerung an ihrem Mann bzw. Vater im Vordergrund und wird zu etwas, das sie für sich bewahren wollen.
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