Die Pop-Up-Ausstellung “Stein des Anstoßes” war vom 10. Juni bis 23. Juli 2021 in den Räumlichkeiten der Jugendkulturarbeit auf dem Gelände Neu-Donnerschwee in Oldenburg zu sehen. Hier finden Sie Einblicke in die Ausstellung.
Im Jahr 2015 wurde auf dem ehemaligen Kasernengelände in Donnerschwee, dem heutigen Wohnquartier Neu-Donnerschwee, beim Bau eines Spielplatzes ein Gedenkstein für Kaiser Wilhelm I. ausgegraben. In Folge der Restaurierung und der anschließenden Wiederaufstellung des Gedenksteins am Fundort entstand eine öffentliche Debatte über das Für und Wider dieses Steins, seiner Positionierung und den historischen Kontext. In Ergänzung zur Pop-Up-Ausstellung wurden in einer dreiteiligen Vortragsreihe militärgeschichtliche und erinnerungskulturelle Aspekte vertieft und diskutiert. Im Rahmen der Ausstellung wurden die Besucherinnen und Besucher dazu angeregt ihre Meinung zum Gedenkstein zu äußern und sich an Debatte zu beteiligen.
König Wilhelm I. von Preußen, der spätere deutsche Kaiser, war zusammen mit Otto von Bismarck auf einer Reise an die Jade, um dort den neuen preußischen Hafen Wilhelmshaven einzuweihen. Dabei nutzte er die Gelegenheit für einen Besuch Oldenburgs, der am 16. Juni 1869 stattfand.
Einer der drei Hauptakte des Besuches war die Truppenschau auf dem Exerzierplatz Donnerschwee, über die die „Nachrichten für Stadt und Land“ unter anderem berichteten: „Se. Maj. nahm trotz des reichlich herniederströmenden Regens eine eingehende Besichtigung und ein länger andauerndes Exerzitium aller drei Waffengattungen vor; in jeder Beziehung ist alles höchst zufriedenstellend ausgefallen.“ (Nachrichten für Stadt und Land, No. 49, Ausgabe vom 19.06.1869)
Im Jahr 1898 wurde dieser Besuch des späteren Kaisers – wohlgemerkt der einzige Besuch von Wilhelm I. in Oldenburg – zum Anlass für die Aufstellung eines Gedenksteins genommen.
Der Stein trägt die Inschrift: „Hier hielt Wilhelm der Grosse des neugeeinten Deutschlands erster Kaiser am 16. Juni 1869 als oberster Feldherr des Norddeutschen Bundes Truppenschau über die Garnison Oldenburg. Errichtet am 4. Septbr. 1898.“
Die Einweihung dieses Gedenksteins wurde öffentlichkeitswirksam propagiert. Bereits seit Ende August wurde täglich in Zeitungsanzeigen des „Kampfgenossen-Vereins Oldenburg“ auf die Einweihung hingewiesen. Am 3. September, also einen Tag vor den Feierlichkeiten, wurde noch einmal an das Ereignis, dem durch den Gedenkstein gedacht werden sollte, erinnert: Der Bericht, der bereits am 19. Juni 1869 in den „Nachrichten für Stadt und Land“ über den Besuch des Königs Wilhelm I. erschienen war, wurde erneut abgedruckt.
Im Nachgang des feierlichen Aktes erfolgte wiederum eine ausführliche Berichterstattung in der Zeitung. Am 5. September erschien der Artikel „Die Einweihung des Kaiser Wilhelm-Gedenksteins auf dem Donnerschweer Exerzierplatz“. Darin wird der feierliche Zug der Kriegervereine beschrieben, die – angeführt von einer Musikkapelle durch die mit Girlanden und Fahnen geschmückte Straßen – vom Pferdemarkt zum Exerzierplatz Donnerschwee ziehen. Alle Kriegervereine werden einzeln benannt und die Stifter des Gedenksteins werden hervorgehoben. Es sind drei stadt-oldenburger Kriegervereine: der „Kampfgenossen-Verein Oldenburg“, der „Verein ehemaliger 19. Dragoner“ und der „Kriegerverein vor dem Heiligengeistthor“.
Der letzte fotografisch dokumentierte Standort des Gedenksteins stammt von einer Postkarte aus den späten 1930er Jahren, die den Stein auf der mutmaßlich gegenüberliegenden Seite des jetzigen Standorts zeigt. Ein Luftbild aus dem Jahr 1938 lässt den Stein an dem Ort erahnen, wie ihn auch die historischen Aufnahmen zeigen.
Nach dem Fund des Gedenksteins im Jahr 2015 und der anschließenden Restauration und Wiederaufstellung am Fundort, entwickelte sich eine Debatte rund um die Berechtigung des Steines. Diese Debatte soll im Rahmen dieser Ausstellung aufgegriffen werden.



