Am 14.10.2017 haben Ben und Ubbo geheiratet. Ganz offiziell mit Stempel, Siegel, Trauzeug:innen und Eheurkunde. Diese Urkunde bewahrt das Paar heute in einem blauen Stammbuch auf, dessen Umschlag Gustav Klimts Gemälde ‚Der Kuss‘ ziert. „Das ist die Normalität, die wir angestrebt haben, dass eine Ehe eine Ehe ist“, erzählt Ben. Doch für diese Normalität musste das Ehepaar jahrzehntelang kämpfen.
Ben und Ubbo waren beide als Pastoren tätig und lernten sich über den Verband Homosexuelle und Kirche e.V. (HuK) kennen. Aus dem beruflichen Umfeld der Kirche haben Ben und Ubbo viel Gegenwind und Diskriminierung erfahren. Doch im August 2001 hat der persönliche und politische Kampf der beiden einen Wendepunkt gefunden: Kurz nachdem das sogenannte Lebenspartnerschaftsgesetz für gleichgeschlechtliche Paare nach langem Warten verabschiedet wurde, hatten Ben und Ubbo bereits einen Termin beim Standesamt in Großenkneten. Am 11. August feierte das Paar diesen Meilenstein mit Freund:innen und Familie. Eine Urkunde bescheinigte ihnen die erste eingetragene Lebenspartnerschaft im Landkreis Oldenburg. Für Ben und Ubbo ist dies ein Doppelpunkt im Kampf für Gleichberechtigung.
Im Vergleich zu der großen Feier im Jahr 2001 war die Eheschließung im Oktober 2017 eher ein bürokratischer Akt. Es ist ein Nachvollzug dessen, wofür das Paar schon 2014 mit einer Petition im Bundestag gekämpft hatte. „2001 war es im Landkreis die erste Urkunde, aber dann ist die Sache nicht stehengeblieben. Der Durchbruch ist inzwischen geschafft“, erklärt Ben. Mit Unterschrift und Siegel konnte dem Paar die sogenannte ‚Ehe für alle‘ bescheinigt werden, es ist Urkunde Nummer 750 in Oldenburg.
“Das ist die Normalität, die wir angestrebt haben, dass eine Ehe eine Ehe ist“
Ben Khumalo-Seegelken
Ben und Ubbo sind dem Standesamt inzwischen bestens bekannt. Seit April 2024 ermöglicht das Selbstbestimmungsgesetz, den eigenen Geschlechtseintrag und Vornamen selbstbestimmt und ohne Gutachten im Personalausweis ändern zu lassen. Für das Ehepaar bedeutete das einen weiteren Besuch beim Standesamt – und eine neue Urkunde, die ihre diverse Geschlechtsidentität offiziell bestätigt.
Alle Urkunden gehören zusammen: 2001 markierte einen Durchbruch, 2017 wurde der Raum geöffnet, in dem alle Paare ihre Ehe erklären können, und 2024 konnten endlich auch die Dokumente angepasst werden, in denen Name und Geschlecht lange unverändert geblieben waren. Die Kämpfe für unterschiedliche queere Rechte materialisieren sich in Urkunde 1, in Urkunde 750 und schlussendlich in bürokratischen Akten.




